Kreisverband Coesfeld / Borken e. V.
Eine der häufigsten Ursachen für den Krankheitsbefund beim Pferd ist ein schlecht sitzender oder gänzlich unpassender Sattel. Irina Keller, ausgebildete Pferdeosteopathin, ging das Thema aus funktioneller und osteopathischer Sicht an. Sie betonte, dass die oberste Priorität sein muss, dass der Sattel passen muss, egal welche Marke drauf steht oder wie er aussieht.
Anhand ihres eigenen ehemaligen Voltigierpferdes, auf dem sie munter mit Kreide die diversen Knochen und Muskel aufmalte, erklärte sie den 13 Teilnehmern bei eisiger Kälte, was der "falsche Knick" ist, wo sich Wirbelsäule und Dornfortsätze befinden und dass die tragende Konstruktion zwischen Vorder- und Hinterteil des Pferdes aus 24 Wirbeln besteht, in deren Mitte, also über dem 12. Wirbel, der Reiter am besten sitzen sollte.
Um die Tatsache zu verdeutlichen, dass ein Pferd mit weggedrücktem Rücken unmöglich seine Hinterhand frei bewegen kann, bat Frau Keller die Teilnehmer um einen kleinen Selbstversuch. "Stellen Sie sich ins Hohlkreuz, Popo so richtig rausstrecken und dann versuchen Sie, Ihre Beine nach vorne anzuheben, also Oberschenkel Richtung Brust." Das stellte sich als ziemlich unmöglich heraus. "Nun kippen Sie Ihr Becken und stehen locker und versuchen nun noch einmal, die Beine nach oben zu ziehen." Und siehe da - mal mehr, mal weniger sportlich bekamen alle die Beine weit höher als vorher! Es ist enorm wichtig, dass der Reiter nicht zu weit hinten auf dem Pferd sitzt. Leider ist es wohl so, dass sehr viele Sättel den Reiter in so eine falsche Position setzt und damit dem Pferd schadet. Laut Frau Keller sollte jeder Reiter einmal ohne Sattel auf seinem Pferd reiten und beobachten, wo das Pferd ihn hinsetzt, denn genau dort ist die richtige Sitzposition.
Frau Keller stellte klar, dass die Pferdeosteopathen nicht das Rad neu erfinden, sondern nur ursprüngliches Wissen vermitteln, das im Zuge der Entwicklung des Reitsports verloren gegangen ist. Bei der Sattelpassform ist erstens darauf zu achten, dass der Abstand zwischen Kopfeisen und tiefstem Punkt des Sattels dem Abstand zwischen hinterer Schulterblattkante und tiefstem Punkt der Wirbelsäule des Pferdes entsprechen muss. Als zweites muss die Form des Sattelbaums der Oberlinie des Pferdes entsprechen. Die Oberlinie bleibt beim Pferd vom Jugendalter bis zum hohen Alter unverändert, lediglich in Breite und Bemuskelung verändert sich das Pferd. Unpassende Sattelbäume können nicht durch entsprechende Polsterung korrigiert werden.
Wichtig ist ebenfalls, dass auch die Satteldecke anatomisch, also der Oberlinie folgend, geformt sein sollte. Einige Teilnehmer merkten an, dass manch alter Reitlehrer oder Bauer etwas abschätzig die Lehren über passende und unpassende Sättel beurteilen, früher habe man mit ein und demselben Sattel 10 verschiedene Pferde geritten. Hier konnte Frau Keller kontern, dass früher die Pferde auch ganz anders waren und absolut nicht mit den heutigen Reitpferden vergleichbar sind. Früher war das tatsächlich möglich für den Bauern, aber der Kavallerist hatte schon einen guten und passenden Sattel für sein Pferd. Natürlich muss der Reiter bei der Wahl des Sattels ohnehin berücksichtigen, was er mit seinem Pferd vorhat. Hat er einen Spitzensportler oder einen Freizeitkumpel mit leichten Turnierambitionen? Will er kleine Ausritte machen oder mehrtägige Wanderritte? Nicht zuletzt setzt auch der Geldbeutel Grenzen.
Die Mutter von Frau Keller ritt ihr Pferd mit einem unpassenden und einem Maßsattel vor - man sah den Unterschied!
Zum Schluss wurden noch die Sättel von zwei Teilnehmern mit ihren Pferden untersucht. Hier Irmgards Isländer Hymir.